Kampfzone der Eitelkeiten

LES AMOURS IMAGINAIRES
Herzensbrecher

Laut Kinsey gibt es verschiedene Formen von Sexualität: Einerseits ausschließlich heterosexuell, andererseits ausschließlich homosexuell. Dazwischen tummeln sich diverse Abstufungen, die die Partnersuche zusätzlich kompliziert, zumindest aber verwirrend gestalten. Dabei ist die Partnersuche sowieso schon alles Andere als ein Vergnügen. Wir plustern uns auf, greifen zu den besten Klamotten. Versuchen die unschönen Stellen unserer Persönlichkeit zu vertuschen, wie der Obsthändler die Druckstellen seiner Äpfel. Wir observieren das Objekt unserer Begierde, holen Erkundigungen ein, prüfen seine Freunde. Am Ende verfügen wir über ein Persönlichkeitsprofil unserer Zielperson, von dem selbst Facebook träumen würde. Das „Liebesspiel“, dieser altmodische Begriff sei erlaubt, ist eigentlich nur was für Sadisten.

Objekt der Begierde: Nick (Niels Schneider) | (c) Bild: Kool Filmdistribution
Die Kontrahenten: Francis & Mary  | (c) Bild: Kool Filmdistribution
Nick  | (c) Bild: Kool Filmdistribution

Weswegen diese ätzende Abhandlung über Liebe? Es gibt dafür eine Ursache, einen Schuldigen: Xavier Dolan. Mit 16 schrieb der Frankokanadier das Drehbuch zu seinem Erstlingswerk, er realisierte es mit 18 und sorgte beim Filmfestival von Cannes für Aufsehen. Nicht anders nun beim zweiten Film: „Herzensbrecher“. Der Begriff des Regie-Wunderkinds macht die Runde. Dabei dreht der 22-jährige Xavier Dolan zuallererst Unterhaltungskino. Seine Filme unterscheiden sich dann aber doch erheblich vom derzeitigen Filmangebot.

Biografie als Altlast

UNTER KONTROLLE

Filmkamera im Zwischenlager: Ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle,
Forschungszentrums Karlsruhe | © credofilm/Sattel/Stefanescu

Plötzliche und epochemachende Ereignisse der Welt sind für Filmemacher mitunter ein Fluch. Projekte werden zur Makulatur, über Nacht und unvermittelt. Ein Schicksal wie dieses hätte den Filmemacher Volker Sattel ereilen können. Im Forum der Berlinale 2011 stellte er eine beeindruckende Dokumentation vor. UNTER KONTROLLE heißt sie und versucht nichts weniger, als eine filmische Annäherung an das, was der so unbestimmte Begriff Atomkraft eigentlich ist.

Er drehte unter dem Eindruck einer schwelenden Anti-Atom-Debatte in der deutschen Öffentlichkeit. Die amtierende schwarz-gelbe Bundesregierung hatte den Kompromiss über den Atomausstieg aufgekündigt, defakto das Comeback der Atomenergie politisch verordnet. Die Atom-Lobby muss um Transparenz und Öffentlichkeit sehr bemüht gewesen sein, als sie Volker Sattel gestattete mit seiner Kamera in den AKWs zu drehen. Japan. Weit weg. Noch.