Oscar Wilde loves Vaginal Davis!

RISING STARS FALLING STARS 
WE MUST HAVE MUSIC!
SALOME'S LAST DANCE | Ken Russel


RISING STARS, FALLING STARS - die Filmshow im Kino Arsenal

Kuratiert von Vaginal Davis & Daniel Hendrickson mit Filmen des "Arsenal Institut für Film & Videokunst" im Rahmen des "Living Archive Projekt".

Im April 2013: SALOME'S LAST DANCE von Ken Russel (GB 1988) - frei nach Oscar Wilde

Diesmal widmet Miss Davis ihre Filmshow einem der berühmtesten und umstrittensten Männer der Literaturgeschichte: Oscar Wilde. Ok, Oscar Wilde ist jetzt kein Unbekannter für die 'Rising Stars...'. Bereits 2012 zeigte Vaginal Davis den Stummfilm SALOME frei nach Oscar Wilde, mit der unbeschreiblichen Alla Nazimova in der Hauptrolle.

Ken Russels Tonfilm SALOME'S LAST DANCE, versammelt ebenfalls eine ganze Gruppe herausragender Darsteller. Allen voran die zweifache Oscargewinnerin Glenda Jackson. Als Schauspielerin arbeitet Jackson schon lange nicht mehr. Obwohl ihre Talente für ihren heutigen Job sehr nützlich sein können, wie sie jüngst in einer fulminanten Rede im britischen Parlament belegte. Glenda Jackson ist Abgeordnete der Labour Party und sorgte in der parlamentarischen Gedenkstunde anlässlich des Todes von Maggi Thatcher für tumultartige Zustände, lag es ihr doch mehr als fern die Verstorbene in guter Erinnerung zu behalten. 

SALOME'S LAST DANCE regte Vaginal Davis und ihre frühere Performance-Kompanie die "Afro Sisters" übrigens zu einer ganz eigenen Version des Stoffs von Oscar Wilde an. Damals, in L.A. hieß das Stück allerdings "Fertile's Last Dance". Doch genau diese Show ruft bei Miss Davis auch traurige Erinnerungen wach. Mehr dazu im Gespräch. Zu hören gibt es ein "saftiges" Audio-Feature im Geiste Oscar Wildes...



Playlist
New York Philharmonic & Zubin Mehta - Rhapsody In Blue
Kim Wilde - House Of Salome
Royal Philharmonic Orchestra, Sir Thomas Beecham -  Scheherezade, II. The Story of the Kalendar
Virginia O'Brien - Salome
Erik Satie - Gymnopedie No. 3
Big John Bates - Salome's Last Dance
Erik Satie & Debussy - Claire De Lune
WDR Sinfonieorchester Köln, Eivind Aadland - Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46, In the Hall of the Mountain King
Detroit Symphony Orchestra, Paul Paray - Ibert's Escales Rome: Palermo
T.Rex - Cosmic Dancer

Sprecher: Vaginal Davis, Manuel Schubert
Musikauswahl & Produktion: Manuel Schubert
Bild: Vestron

Der Faschismus der Makellosigkeit

Interview mit Bruce LaBruce

Anlässlich seines kommenden Kinofilms GERONTOPHILIA, sprach ich für das "DE:BUG"-Magazin mit dem kanadischen Filmemacher und Künstler Bruce LaBruce über die Natur des Fetisch, den Faschismus digitaler Bilder, den Zombie als Vorkämpfer gegen eine intollerante Gesellschaft, die Lust am Sex im Alter und die neue Spießigkeit der Schwulen.

Jey Crisfar als Zombi in OTTO; OR, UP WITH DEAD PEOPLE | (c) GMfilms Filmverleih

[filmanzeiger] Bruce, Du wirst heute vor allem über deine beiden schwulen Zombie-Filme OTTO; OR, UP WITH DEAD PEOPLE sowie L.A. ZOMBIE wahrgenommen. Was interessierte dich daran, schwule Charaktere durch Zombies zu erzählen?
[Bruce LaBruce] Mein Eindruck war, daß schwule Lebensweisen in ihrer bisherigen Form ausstarben. Unzählige Cruisingclubs und Saunas machten dicht, öffentlicher Sex verschwand. Die Schwulen suchten den Weg in die Assimilation mit dem Hetero-Mainstream. Die früher vielfältige und radikale schwule Kultur wurde zu einem Zombie. Und Sex in Cruisingareas hat etwas Zombihaftes, Körper und Körperteile wimmeln im dunklen Zwielicht umher. Es versprüht eine Aura des Horroresken und Gefährlichen. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Es ist sehr Aufregend, hat fast filmische Qualitäten. Ich wollte die letzten Reste dessen festhalten, bevor sie vollständig verschwinden.
Außerdem habe ich vor Kurzem meinen Ehemann geheiratet. Als Asylsuchender aus Kuba, durfte er hier in Kanada nicht richtig leben. Konnte aber auch nicht nach Kuba zurück. Alles war in der Schwebe. Er war wie ein Alien, wie ein Zombie, nirgendwo willkommen. Der Zombie ist der neue Aussätzige. Dieses Paradigma wollte ich umkehren, ihn zum subversiven Akteur machen. Er ist derjenige, der sich dagegen wehrt, von der Gesellschaft zum Aussätzigen gemacht zu werden.
OTTO und L.A. ZOMBIE, zelebrieren Blut in mehreren Sequenzen. Innerhalb der schwulen Matrix und seit dem Aufkommen von HIV, gilt Blut als gefährliche Bedrohung, genauso wie Sperma und kondomfreier Sex. Wie liest Du diese Blutbäder, im Kontext von HIV?
In der Hardcore-Version von L.A. ZOMBIE kann man erkennen, wie der Hauptdarsteller Francois Sagant ein Kondom trägt. So wie er es bei seiner Arbeit immer tut. Aber das ist nicht der Punkt. Im Kontext von HIV/AIDS, gerade zu Beginn der Epidemie, wurde schwuler Sex zu etwas Bedrohlichem. Und damit auch die HIV-Positiven. In meinen Filmen geht es ja nicht um Sperma als bedrohliche Flüssigkeit, es ist das Blut selbst. Wenn man so will, ist es der Versuch diese Idee des giftigen schwulen Sex mit Unmengen an Blut zu überfluten.

Irrelevanter Anti-Drifter

OSLO, 31. AUGUST

Es beginnt mit 16mm-Foundfootage - Stadtansichten Oslos aus der Vergangenheit. Im Off erzählen Menschen von ihrer ersten Begegnung mit der Stadt. Faszinierend, lebendig, aber auch überraschend klein empfanden sie Norwegens Hauptstadt. Damals. Die Montage kulminiert in den Videoaufnahmen der Sprengung eines markanten Hochhauses. Schnitt. Er. Er sitzt nackt auf einem Bett, gebeugt, der Kopf stützt sich fast auf die Hände. Er wirkt Gedanken-verloren und allein. Die Kamera lässt eine Frau neben ihm erkennen, sie erwacht aus dem Schlaf, nackt. Sie lächelt ihn kurz an und lässt dann das Lächeln versiegen. Schnitt. Er geht aus dem, was ein Motel an der Autobahn gewesen sein muss und läuft in den nahen Wald. Ziellos scheint er zu sein und kommt dann doch an einem See an. Er zieht seine Jacke aus, zieht sie wieder an, stopft Steine in die Jackentaschen, hebt einen größeren Stein aus dem Uferbereich, geht ins Wasser, taucht ab. Für eine Weile verharrt die Kamera auf der Stelle seines Untergangs. Luftblasen steigen vereinzelt auf. Schließlich ein lautes Prusten, das eher einem hysterischen Weinen gleicht. Er kriecht ans Ufer und torkelt zurück in den Wald. Anders.


OSLO, 31. AUGUST - einen Tag zuvor darf Anders, ein attraktiver, schlaksiger junger Mann Anfang 30, auf Freigang. Die letzten Monate hat er in einer Klinik für Drogenabhängige verbracht, weit außerhalb. Anders ist oder war Junkie. Er hat alles durch inklusive Heroin. Heute ist er clean. Seit 10 Monaten hat er nicht mal mehr ein Bier getrunken. Sein erster Ausflug führt in zurück nach Oslo. Ein Bewerbungsgespräch steht an. Anders war mal freier Schreiber. Doch das ist sechs Jahre her. Dann verlor er sich in den Clubs von Oslo und in den Drogen. Dies ist auch beinahe alles, was wir über Anders lernen. Es gab das Leben vor dem Entzug. Und es gibt heute, diesen einen Tag. Vorher gab es ein mutmaßlich wildes Leben, eine große, an den Drogen gescheiterte Liebe. Und ein liberales, gut situiertes Elternhaus, dass an den Spätfolgen von Anders Absturz zu leiden scheint. Aber auch das können wir nur aus einigen Indizien lesen, die uns das Drehbuch, auf Anders' Weg durch ein spätsommerliches Oslo, hier und dort reicht. Nicht selten erscheint OSLO, 31. AUGUST wie eine Forterzählung von Joachim Triers 2006er Debüt REPRISE. Nicht nur, ob desselben großartigen Hauptdarstellers. In REPRISE, erleben wir zwei angehende Schriftsteller bei ihrem Streben nach einem Platz im Leben und in der Liebe. Ebenfalls angesiedelt im Oslo der Gegenwart, hat sich die verspielte Energie von Film und Figuren in REPRISE zu ernsthaften Selbstzweifeln und Depression in OSLO, 31. AUGUST gewandelt. Die beiden Jungs sind zu Männern geworden. Und einer von beiden ist irgendwann abgestürzt.