Vaginal Davis & Dorothy Arzner

RISING STARS FALLING STARS
WE MUST HAVE MUSIC!
DANCE, GIRL, DANCE | Dorothy Arzner



April bei den Rising Stars und Miss Davis bereitet die Leinwand erneut für eine Regie-Legende: Dorothy Arzner. Sie war die erste offen lesbische Filmemacherin Hollywoods und die erste Frau überhaupt in der renommierten Directors Guild of America.

In der Goldenen Ära Hollywoods, zwischen 1920 und 1940, führte sie die Regie bei 21 Filmen, ein Rekord der bis heute fortbesteht. Später drehte sie TV-Werbespots und lehrte bis zu ihrem Tod 1979, Regie und Drehbuchschreiben am Filmdepartment der Universität von Los Angeles. Ihren vorletzten Spielfilm, DANCE GIRL DANCE präsentiert Vaginal Davis am Sonntag, 20.04.2014 im Kino Arsenal.

Ein Gespräch über eine außergewöhnliche Filmemacherin, die Vaginal Davis sogar zu einem neuen Manifest inspiriert. 

Rising Stars, Falling Stars - WE MUST HAVE MUSIC!
DANCE, GIRL, DANCE (USA 1940; 35mm; OmU, 89')
Sonntag, 20.04.2014, 20 Uhr, Arsenal 2

Sprecher: Vaginal Davis, Manuel Schubert
Musikauswahl & Produktion: Manuel Schubert
Bild: Arsenal Inst. für Film & Videokunst
⁠[⁠Gespräch in Englisch & Erläuterungen in Deutsch]

Das Ding mit dem Loch

Kurze Gedanken zu Lars von Triers NYMPHOMANIAC II

Es war vielleicht absehbar, dass dem aufreibenden, dicht gewebten NYMPHOMANIAC I ein profaner zweiter Teil folgen musste. Lars von Trier hat sich von sich selbst überlisten lassen und der narrativen Kausalität den Vorzug vor einem möglichen Affront gegeben.


Der expliziten Darstellung von Sex eine eigenständige und selbstverständliche erzählerische Funktion zukommen zu lassen, daran scheitet auch er. Der Regisseur und seine Darsteller verfallen dem Reflex, expliziten Sex nur als frivoles Skandalon, als unappetitlich pornöses Ding abzubilden. Sie unterwerfen sich der Lesart eines gefühlten gesellschaftlichen wie auch geschlechternormativen Mainstreams. Was dann eben auch mit Bodydoubles, verschämten Kadragen und prüden Umschnitten einher geht. Hierbei unterscheidet sich die Schnittversion für Filmfestivals kaum von derjenigen, die in der regulären (deutschen) Kinoauswertung eingesetzt wird. Letztere ist nur noch etwas prüder ausgefallen. 

Ein paar steife Penisse dürfen umher schwingen, aber bei der Vagina, der Klitoris ist Schluss. Sie kann lediglich ein wenig herumliegen und auch ausgepeitscht werden. Genaugenommen treibt Lars von Trier der Vagina den Aspekt der Lust aus. Sie ist das Loch, welches der Hauptfigur soviel Kummer bereitet und um dessen Kontrolle sie unentwegt kämpft. Die Vagina, das Ding das nur Ärger macht, allen voran den Frauen selbst. An den Postulaten Joes, sich vom bürgerlichen Kleingeist der Gesellschaft zu emanzipieren und sich nicht in ihrem sexuellen Treiben einschränken zu lassen, erstickt sie selbst. 

Lars von Trier scheitert am Sex und am Lustempfinden. Und das ist ein erhebliches Kunststück in einem Werk, dessen beide Teile zusammen annähernd fünf Stunden Lauflänge ausmachen. Gleichwohl ihm trotzdem noch zwei veritable Stücke Erzählkino gelingen.

NYMPHOMANIAC I
DK/D/F/B/SWE 2013
110/118/145 Minuten
Buch & Regie: Lars von Trier
Kamera: Manuel Alberto Claro
Schnitt: Molly Malene Stensgaard

NYMPHOMANIAC II
DK/D/F/B/SWE 2013
123/130 Minuten
Buch & Regie: Lars von Trier
Kamera: Manuel Alberto Claro
Schnitt: Molly Malene Stensgaard

Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman

Deutscher Verleih: Concorde Filmverleih