Rising Stars Falling Stars – Vaginal Davis nimmt das TAXI ZUM KLO

Rising Stars, Falling Stars
Briefe aus der Garderobe
Frank Ripploh - TAXI ZUM KLO (BRD 1980)

Screenshot aus TAXI ZUM KLO | (c) Screenshot: Inner Genre

März 2016: Die letzte Ausgabe der Filmshow „Rising Stars, Falling Stars“ am Potsdamer Platz und im Kino Arsenal. Vaginal Davis und Daniel Hendrickson präsentieren einen Klassiker des Schwulen Kinos, Frank Ripplohs TAXI ZUM KLO.

Im Podcast sprechen Vaginal Davis und Manuel Schubert über die Zukunft der Filmshow „Rising Stars, Falling Stars“ und testen Vaginal Davis' Kenntnisse von den Darkrooms in Berlin Schöneberg...



Rising Stars, Falling Stars - Briefe aus der Garderobe
TAXI ZUM KLO (BRD 1980, 16mm, OV, 97')
Sonntag, 27.03.2016, 20 Uhr, Kino Arsenal 2
Sprecher: Vaginal Davis, Manuel Schubert
Produktion: Manuel Schubert
⁠[⁠Englisch Talk & German Caption⁠]
Bild: Inner Genre

Berlinale 2016 - Bulletin (7) - Panorama Mix II

THE LOVERS AND THE DESPOT: Die Schauspielerin Choi Eun-hee und der Regisseur Shin Sang-ok waren im Südkorea der 60er bis 70er Jahre Stars und galten als Traumpaar – bis zu ihrer Scheidung 1978. Kurz danach verschwand zunächst Choi Eun-hee bei einer Geschäftsreise nach Hong Kong und wenige Wochen später war auch von Shin Sang-ok keine Spur mehr zu finden. Der nordkoreanische Geheimdienst hatte sie im Auftrag des Präsidenten und Diktators Kim Jong-il entführt. Über Jahre waren sie der Gehirnwäsche und den Umpolungsversuchen des nordkoreanischen Staatsapparats ausgesetzt, bis man sie schließlich für linientreu genug erachtete, um sie zum filmbegeisterten Präsidenten Kim Jong-il vor zulassen.

Schnell gelang es den beiden Filmstars, den Diktator von sich zu überzeugen, der, wie wir in THE LOVERS UND THE DESPOT erfahren, genauso filmbegeistert war, wie er auch nach internationalem Ruhm und Glamour strebte. Dies machten sich die Schauspielerin und ihr (ex-)Mann zunutze und ihnen gelang das Paradox, in der nordkoreanischen Diktatur relative künstlerische Freiheit zu erlangen. Oder zumindest soviel Gestaltungsspielraum, wie es brauchte, um mit Filmen zu internationalen Filmfestivals reisen zu dürfen.

THE LOVERS AND THE DESPOT | (c) IFB 2016

Eine Freiheit, die sie schließlich zu nutzen wussten und bei einer Geschäftsreise nach Wien in der US-Botschaft erfolgreich Zuflucht suchten. Etwa ein Jahrzehnt nach ihrer Entführung durch die Nordkoreaner. Die Filmemacher Ross Adam und Rob Cannan zeichnen in ihrer Dokumentation diese schier unglaubliche Geschichte nach. Dafür verwenden sie auch Tonmitschnitte, welche Choi Eun-hee und hin Sang-ok heimlich von ihren Gesprächen mit dem nordkoreanischen Diktator anfertigten und die schnell zum eigentlichen Highlight dieser dokumentarischen Arbeit avancieren, während der Rest von THE LOVERS AND THE DESPOT allzu schnell im formalen Einerlei verpufft.

SAN FU TIAN - DOG DAYS: China im Hochsommer, eine junge Mutter, die als Tänzerin in einem billigen Nachtlokal in einem Randbezirk der chinesischen Millionenmetropole Changsha arbeitet, kommt nach der Arbeit nach Hause und findet ihre Wohnung leer. Ihr Lebenspartner und ihr Sohn im Säuglingsalter sind spurlos verschwunden. Ihre Nachforschungen führen sie in eine Transenbar zu einem jungen schwulen Mann, der weiß, wo sich der Kindsvater und das Baby aufhalten könnten. Doch wirklich kooperationsbereit scheint er nicht, denn er führt mit dem Verschwundenen eine Liebesbeziehung. Die beiden einigen sich auf einen Deal - die Mutter bekommt ihr Kind zurück, lässt dafür ihren Partner ziehen. Die gemeinsame Reise des ungleichen Paares endet schließlich in Schanghai, wo sich der Kindsvater in einem schäbigen Hotel versteckt. Schnell wird klar: Er hat das Baby verkauft.

Berlinale 2016 - Bulletin (6) - KATE PLAYS CHRISTINE

Am 15. Juli 1974 war die 29-jährige TV-Journalistin und Nachrichtensprecherin Christine Chubbuck mit ihrem Morgenmagazin “Suncoast Digest” des Lokalsenders Channel 40 in Sarasota, Florida live on air, als sie diesen Satz in eine Kamera sprach:
"In keeping with Channel 40's policy of bringing you the latest in 'blood and guts', and in living color, you are going to see another first – attempted suicide"
Anschließend zog sie einen Revolver aus ihrer Tasche, hielt ihn sich an den Hinterkopf und drückte ab. Sekundenbruchteile später brach der Sender die Livesendung ab. Christine Chubbuck starb 14 Stunden später im Krankenhaus. Auf dem Nachrichtenpult fand man ein blutverschmiertes Moderationsblatt, auf dem sie die Nachrichtenmeldung ihres "Selbstmordversuchs" bereits in dritter Person handschriftlich notiert hatte. Der Sender veröffentlichte zum ihrem Tod schließlich eine nahezu wortgleiche Meldung. "The latest in 'blood and guts'" - Horrornachrichten also, wie die vom Selbstmord der Nachrichtensprecherin, die sich live im Fernsehen erschießt.

KATE PLAYS CHRISTINE | (c) Robert Greene/IFB 2016

Trotzdem ist der Vorfall heute weitestgehend vergessen, genauso wie der Name Christine Chubbuck. Der Dokumentarfilmer Robert Greene versuchte zehn Jahre lang einen Zugang zur Erzählung der Geschichte von Chubbuck und ihrer Gewalttat zu finden, ohne dafür auf klassische dokumentarische Formen zurückgreifen und somit lediglich das Vorgefallene nacherzählen zu müssen. "How to wrap your head around this?" - wie Greene es in einem Interview bezeichnete.

Berlinale 2016 - Bulletin (5) - Panorama Mix I

GRÜSSE AUS FUKUSHIMA: Eine junge Deutsche, Marie, flüchtet Hals über Kopf nach Japan. Sie schließt sich einer Clownerie-Kompanie an, die frühere Bewohner Fukushimas unterhalten soll, welche seit der Evakuierung in einem provisorischen Camp leben. Sie merkt schnell, dass dieser Job nicht das Richtige für sie ist, trifft allerdings auf eine verschlossen wirkende Dame, der sie hilft in ihr altes Haus umzuziehen, welches in der Sperrzone liegt und als letztes Gebäude in ihrem alten Viertel vom Tsunami stehen gelassen wurde. Unschlüssig wo hin mit sich, schließt sich Marie der alten Dame an und hilft ihr.

Die höchst unterschiedlichen Frauen sind bald mehr aufeinander angewiesen, als sie sich selber eingestehen wollen, denn die traumatischen Erlebnisse der Vergangenheit holen sie ein. Gleichwohl GRÜSSE AUS FUKUSHIMA im Kern zu hölzern ist, um überzeugende Lebendigkeit zu entwickeln, gelingen Doris Dörrie in ihrem Film einige sehr warmherzige und emotional kluge Momente, die diese Geschichte einer sonderbaren Freundschaft zweier ungleicher Frauen länger nachklingen lassen.
 
UNCLE HOWARD | (c) Ryan Muir

UNCLE HOWARD: Der Filmemacher Howard Brookner erregte in den 1980er Jahren Aufmerksamkeit mit seinen Dokumentationen über den Schriftsteller William S. Burroughs und den Theatermacher Robert Wilson. Das Debüt seines ersten Spielfilms erlebte Brookner jedoch nicht mehr, er starb 34-jährig noch vor dem Kinostart an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung. Aaron Brookner, der Neffe des Verstorbenen, wurde durch seinen Onkel als Kind maßgeblich beeinflusst.

Berlinale 2016 - Bulletin (4) - INVENTION

Wie nehmen wir Stadtlandschafen wahr? Was ist es, dass wir sehen, wenn wir durch die Stadt gehen? Was lenkt unseren Blick? Was stößt ihn ab? Zunächst kann man sagen: Wir sehen einfach nur Häuser, Straßen und die Menschen darin. Dann kommen Bäume, Parks, Grünanlagen, Bahnhöfe und dergleichen. Nehmen wir die Vielgestaltigkeit des ganze wahr, etwa Baustile und Gebäudezustände? Welche Perspektiven können wir dabei einnehmen - im visuellen Sinne?

Der Blick geht im Regelfall von unten nach oben. Nur die wenigsten leben - zumindest in unseren Breiten - in wirklichen Hochhäusern und können den Blickwinkel umkehren, können somit eine observierende Perspektive einnehmen. Während jeder Mensch, der von unten nach oben guckt, sofort auffällt. Denn dieser Blickwinkel ist eben nicht der gewöhnliche. Auch für das Filmemachen sind diese Fragen der Perspektive grundlegend.

INVENTION | (c) Mark Lewis/IFB 2016

Durch die digitale Kameratechnik, die längst Alltag beim Filmemachen ist, ob das Freunden des 35mm-Films nun passt, oder auch nicht, ist es wesentlich leichter geworden unterschiedlichste Sichtweisen zu realisieren, und mit diesen zu erzählen. Dies hat sich auch und gerade die Kunst zu eigen gemacht. Der kanadische bildende Künstler Mark Lewis, Professor an der Central Saint Martins Kunsthochschule in London, legt mit INVENTION einen beeindruckenden Beweis dafür vor, welch kraftvolle, fesselnde Bilder sich mit den Mitteln digitaler Kameratechnik entwickeln lassen.

Berlinale 2016 - Bulletin (3) - MIDNIGHT SPECIAL

Lukas berichtet fasziniert von seiner Beobachtung: „There came a visible spektrum of light from his eyes.“ Lukas (Joel Edgerton) erzählt von Alton Meyer, einem 8-Jährigen. Alton (Jaeden Lieberher) ist anders als andere Jungs in seinem Alter. Etwas ist an ihm, dass ihn enorm verwundbar und machtvoll zugleich wirken lässt. Und dann ist da eben diese Sache mit seinen Augen und dem Licht, welches sie hin und wieder aussenden. Aber er stellt noch mehr schräges Zeug an, beispielsweise kann er Radiowellen wiedergeben. Allerdings hat auch noch nie ein Superman-Comic gelesen, keine Ahnung was Kryptonit ist. Überwachungsdronen und Regierungssatelliten sollten ihm ebenfalls nicht zu nahe kommen, er merkt es, wenn sie ihn beobachten und das mag er gar nicht. Alton ist offenkundig ein Mensch jenseits normalen Menschseins.

MIDNIGHT SPECIAL | © 2016 WARNER BROS./RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT

Doch die Geschichte beginnt woanders: Mit Fernsehnachrichten und und einem Mann namens Roy (Michael Shannon) beziehungsweise dessen Fahndungsfoto. Man sucht ihn, Vorwurf: Kindesentführung. Die Nachrichten zeigen nur Roys Foto, vom Jungen, den er entführt haben soll, gäbe es noch kein Bild heißt es, nur eine Personenbeschreibung. Dies wird so bleiben. Schnitt. Ein häßlich eingerichtetes Büro, drei mittelalte Männer in spießigen Anzügen. Es geht um einen Auftrag und einen Jungen, der unter allen Umständen zurückgeholt werden muss. Alton. Gottes Wille und Auftrag und so weiter.

Berlinale 2016 - Bulletin (2) - HOMO SAPIENS

Welche Kraft kann Kino in Zeiten allgegenwärtiger visueller Dauerberieselung noch entfalten? Bewegtbilder sind überall – auf dem Smartphone, auf dem Rechner, im Fernseher sowieso, in der U-Bahn, in der Straßenbahn, im Auto, auf Werbetafeln im Stadtbild. Sie sind grell, sie sind schnell und bunt. Sie ringen um unsere Aufmerksamkeit.

Wir haben uns an diese Bilderflut gewöhnt. Sie gehört zu unserem Alltag, sie bestimmt unseren Alltag. Etwas scheint uns weniger relevant, wenn es sich nicht bewegt, wenn es nur Ton hat oder gedruckt in einer Zeitung steht. Wie kann da ein Film funktionieren, der nur aus starren Einstellungen besteht? Der zwar ein Film ist, der aber fast keine Bewegung zeigt? Außer vielleicht im Wind raschelnde Blätter.

HOMO SAPIENS | (c) NGF

Das Forum der Berlinale beweist seit langer Zeit, dass so etwas geht, erst recht im Kino und insbesondere in der Epoche allgegenwärtiger digitaler Bilder. Allen voran mit dem unentwegt produzierenden James Benning, der zuletzt mit STEMPLE PASS 2013 im Forum zu Gast war. STEMPLE PASS, ein 121 minütiger Trip aus exakt vier halbstündigen Einstellungen, die immer das gleiche Bild zeigen: eine kleine Hütte in einer entlegenen Schlucht. Wir sehen wie die Jahreszeiten wechseln, die Natur sich verändert, manchmal Rauch aus der kleinen Hütte aufsteigt. Sparsam dosiert fällt eine Form von Realität über die Tonspur in diesen seltsamen Bildraum ein und ruft uns in Erinnerung, warum es diese Bilder gibt. Wie diese Hütte im Tal verortet werden kann. Doch meistens ist nichts zu hören – vom leisen Gesäusel der Natur abgesehen; wir sind allein mit ihr.

Berlinale 2016 - Bulletin (1) - HAVARIE

Menschen brechen auf, von nordafrikanischen Küsten in Richtung Europa. Ihr Weg: das Mittelmeer. Manche kommen an, eine ungewisse Zukunft vor sich. Viele kommen niemals an, die See ist ihr Grab.

Im September 2012 kreuzte sich der Weg des Kreuzfahrtschiffs „Adventures of the Seas“ mit dem eines kleinen Gummiboots mit 13 Menschen an Bord bei 37º/28.6ʼnördlicher Länge und 0º/3.8ʼ östlicher Länge. Gibt man diese Geodaten bei Google Maps ein, landet der Cursor an einem Punkt etwa 70 Kilometer von der spanischen Küste und rund 90 Kilometer von der spanischen Küstenstadt Cartagena entfernt. 

HAVARIE | Philip Scheffner | (c) Pong Berlin

An diesem Punkt setzte die Crew der „Adventures of the Seas“ im September 2012 einen Notruf zur Seenotrettungsstation in Cartagena ab, Inhalt: 13 Personen in einem Schlauchboot treiben hilflos auf offener See. Die Crew bat die Küstenwache um Erlaubnis, die 13 Menschen an Bord nehmen zu dürfen.

Die Küstenwache lehnte ab und forderte das Kreuzfahrtschiff auf, seine Position und Sichtkontakt zu dem kleinen schwarzen Punkt auf der blauen, horizontlosen See zu halten, bis die Seenotrettung eintrifft. Anderthalb Stunden warteten beide Boote, das kleine Schlauchboot und das große Kreuzfahrtschiff mit seinen 3500 Urlaubern zuzüglich Besatzung, dass etwas passiert. 93 Minuten dauert Philip Scheffners HAVARIE – also in etwa jene Zeit des Wartens auf Rettung für die Menschen im Schlauchboot.

Porno ist Utopie

Rückblick
Pornfilmfestival Berlin 2015

„Schnick Schnack Schnuck“ | (c) Pornfilmfestival Berlin 2015

Wie steht es um den heterosexuellen Porno in Deutschland im Jahr 2015? Die Antwort auf diese Frage fällt kurz aus: schlecht. Jedenfalls konnte man diesen Eindruck auf dem 10. Pornfilmfestival Berlin gewinnen, das am Sonntag im Kreuzberger Kino Moviemento zu Ende ging.

Einer der Sponsoren des Festivals, eine Onlinepornokanal, ließ Kinowerbung abspielen, die für das Ultra-HD-Angebot der Firma warb. Gesetzt den Fall, man hat das entsprechende Abspielgerät zu Hause, kann man sich die Muschi seiner Lieblingsperformerin nun also in hochauflösenden Bildern ansehen. Scheinbar glaubt manch Player der Pornobranche hierzulande, dass, wenn er nur genug Technik auffährt, sich sein Kram doch noch irgendwie verkauft.