Edeltrash


SPIDER MAN 3; Annehmbar mit 40%!

Blockbuster in Fortsetzung erliegen in 99% aller Fälle unschönen Ermüdungserscheinungen. Sowohl bei der Story als auch bei den "großartigen" Spezialeffekten gelingt es selten, noch einmal, einen Trumpf aus dem Ärmel zu zaubern. SPIDER MAN 3 ist ein Film, auf den genau dies wieder einmal zutrifft. Leider! Während die ersten beiden Teile das Comic-Original noch narrativ spannend und technisch brillant zum Leben erwecken konnten und zurecht die Massen in die Kinos zogen, macht sich diesmal der Kaugummi breit. Die Geschichte hat sich ins Klein-klein ihrer Vorlage zurück gezogen, denn während ein Comic davon lebt, detailliert die einzelnen Wegmarken abzuarbeiten, gerät gleiches in einem Kinofilm zur Quälerei:

Die 139 Filmminuten werden mit einem Konglomerat von Bösewichten, einer schwarzen – bösen - Glibbermasse, den Heiratsabsichten der Hauptfigur und der zerrütteten Freundschaft zwischen der Hauptfigur und einem Nebencharakter gefüllt. Letzterer Konflikt wurde bereits bei den Vorgängern ausführlich durchdekliniert. Anscheinend reichte dies noch nicht, anders kann man sich die hanebüchene, dünne Suppe, die Spider Man und Harry Osborn da auslöffeln, kaum erklären.
Offensichtlich dient sie als Aufhänger für den großen Schlussakkord (der nach langatmigen, moralinsauren zwei Stunden dann doch noch kommt), in dem zweieinhalb Bösewichte Spider Man ultimativ zerquetschen wollen - was wortwörtlich zu verstehen ist. Oder muss man es andersherum lesen? Wurde diese Ballung von Bösem installiert, damit sich diese beiden Zankhähne vielleicht wieder zusammenraufen?

Während für „Superman Returns“ 2006 noch der – wieder einmal - größenwahnsinnige Lex Luthor ausreichte, braucht es bei SPIDER MAN 3 einen Sandmann mit Robin-Hood-Attitüde und einen bemitleidenswert-ehrgeizigen Kontrahenten, der von schwarzem Glibber befallen wird, als Gegenspieler. Der schwarze Glibber - übrigens zu Beginn einfach vom Himmel gefallen - kehrt die negativen Eigenschaften eines Menschen nach außen. Selbstverständlich durchläuft auch "Spidey" dieses Martyrium des Bösen und gewinnt dabei das erste Mal im gesamten Film so etwas wie Kontur und Charakter. Auch beim reanimierten Superman war das Böse das eigentlich Sehenswerte, währenddessen die Superhelden als gutmenschelnde Versagertypen mit Profilneurose daherkamen, die das Böse nur besiegen konnten, weil es die Geschichte eben so vorsah. Man muss sich fragen, was das für ein Amerika ist, das seine Ikonen und Vorbilder für Jungs ganzer Generationen in solch aalglatte, nichtssagende und hypergute Zombies verwandelt?

Einen Trumpf, den Hollywood trotz absurdem Storytelling immer ausspielen kann, sind die Special Effects. SPIDER MAN 3 bietet davon reichlich. Sie sind tadellos und auf der Höhe der Zeit und der technischen Möglichkeiten, trotzdem wirken die 300 Millionen US-Dollar Produktionsbudget erschreckend unspektakulär, sind teilweise sogar von unfreiwilliger Komik. So kracht beispielsweise ein defekter Kran in die Fassade eines Hochhauses, ein blondes Model stürzt daraufhin beinahe ab und klammert sich mit letzter Kraft, hysterisch kreischend an eine Metallstrebe, die bedrohlich über dem Abgrund baumelt. Dreht man die Filmgeschichte einige Jahrzehnte zurück, findet man einige ganz und gar tierische Vandalen, die ebenso schmucke Glasfassaden demolierten und blonde Schönheiten über dem Abgrund baumeln ließen. Der eine ist behaart, der andere hat Lederhaut, beide sind sie riesig und überwiegend in Japan anzutreffen: Godzilla und King Kong. Unterirdische Katastrophenfilme mit lächerlicher Tricktechnik waren ihr bevorzugtes Jagdgebiet. Für diese Filme ist sich mittlerweile sogar das eigentlich schmerzfreie Privatfernsehen zu schade. Man darf gespannt sein, wo der millionenschwere Edeltrash SPIDER MAN 3 in einigen Jahrzehnten zu sehen sein wird. Schade.

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