Junge Revoluzzer

Drømmen - DER TRAUM

Ein 13-Jähriger rebelliert in seinem Dorf gegen die brutale Prügel durch den autoritären Schulleiter und fordert gegen alle Widerstände Gerechtigkeit ein. Damit ist der Plot von Niels Arden Oplevs Drømmen, so der dänische Originaltitel von DER TRAUM, kurz umrissen. Dahinter verbirgt sich ein wundervoller Streifen über die Unabdingbarkeit von Mut, Solidarität und einer gewissen Fähigkeit zur Utopie für unser gesellschaftliches Zusammenleben. Aufgehängt an der zentralen Frage, warum Kinder nicht soviel wie Erwachsene zählen, erzählt der Regisseur die Geschichte des jungen Frits, der auf dem Bauernhof seiner Eltern in Dänemark aufwächst. Das Hauptproblem des Jungen ist sein Schulleiter. Dieser herrscht mit harter Hand über seine Schule und die Schüler. Sein Einfluss hört jedoch bei den Schülern nicht auf. Auch der Schulvorstand scheint sich bedingungslos hinter den "verdienstvollen" Despoten zu stellen. 

Frits, als Neuling, dessen Dorfschule geschlossen wurde, macht schnell mit den fragwürdigen Erziehungsmethoden des Direktors Bekanntschaft. Einer seiner Mitschüler bekommt eine Tracht Prügel, und Frits ist der einzige, der das offenkundig anstößig findet. Seine Mitschüler schauen dementsprechend verdutzt, als er ihre Schaulust am Fenster des Direktors kritisiert. Kinder sind manchmal Monster, vor allem zu Ihresgleichen, was Frits als Retourkutsche schnell zu spüren bekommt: Auch er landet nach einem Zwischenfall beim Direktor. Nur endet der Schultag für ihn beim Arzt - der Direktor hat ihm beinahe ein Ohr abgerissen. Frits Zorn ist angestachelt, und auch seine Eltern sind erbost. 

Janus Dissing Rathke spielt Frits. Und vom Fleck weg ist man auf der Seite des Jungen. Ein smarter, gutaussehender Blondschopf von 13 Jahren, der mit seiner Strubbelfrisur so gar nicht in die Schulgemeinschaft passt. Im Verlauf des Films wird daraus sogar noch ein Irokesenschnitt werden. Wenn Frits Vater wegen Depressionen in die Psychiatrie gehen muss, wird aus dem jungen Revoluzzer wieder ein verletzlicher Junge. Dissing Rathke verleiht beiden eine unglaubliche Präsenz auf der Leinwand. So einen gab’s schonmal im Europäischen Kino. Und seine Figur musste sich ebenso gegen Erwachsene durchsetzen, wie Frits: Jamie Bell! BILLY ELLIOT, die charmante Geschichte des jungen Billy, der gegen alle Widerstände seiner englischen Bergarbeiterstadt seinen Weg zum Ballettänzer durchsetzt, scheint Pate gestanden zu haben für DER TRAUM. Der Subtext beider Filme ist politisch, BILLY ELLIOT spielt 1984, zu den Zeiten der Bergarbeiterstreiks in den Kohleminen Großbritanniens. DER TRAUM ist 1969 angesiedelt, die Protestbewegung in Dänemark, wie überall in Europa und Amerika, hat sich formiert, und Frits sieht auf dem ersten Fernseher der Familie Martin Luther King und seinen Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen. 

Eine Schule ohne Gewalt - Frits hat einen Traum: "I have a Dream!" Wenn Niels Arden Oplev seinen Protagonisten in Martin umbenennt, ist klar, wohin die Reise geht. Doch so einfach ist die Sache nun mal nicht, und Martin muss einige herbe Enttäuschungen erleben. Drømmen, ein heftiger Film, der allen Generationen von Kinobesuchern schwere Kost serviert. Erwachsene kommen hier nicht gut weg, zumindest teilweise: Relativierung von Gerechtigkeit und Anpassung anstatt Anstand und Aufrichtigkeit. Kinder begegnen diesem Theater mit einiger Skepsis: Für Martin steht es außer Frage, dass dem Direktor das Handwerk gelegt werden muss. Selbst wenn er sich dafür kontinuierlich Ohrfeigen einfängt. Zum Glück erhält er hier die Unterstützung seiner Eltern, die nicht minder mutig versuchen, dem Spuk ein Ende zu setzen. 
Ein bewegender, wie auch bewegter Film, der jenseits aller Revolutionsromantik klar benennt, worauf es ankommt: Mut und Courage, ohne sie geht es nicht. Und ohne sie bleiben Träume Utopien.

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