Berlinale 2014 - Bulletin (1) - THE GRAND BUDAPEST HOTEL - KUMIKO, THE TREASURE HUNTER - NUOC-2030


Kumiko, The Treasure Hunter; Zellner Bros.; Kumiko LLC; Berlinale 2014Kumiko, The Treasure Hunter; Zellner Bros.; Kumiko LLC; Berlinale 2014
Rinko Kikuchi als Kumiko in KUMIKO, THE TREASURE HUNTER
Ein Film der Zellner Brothers, Berlinale Forum 2014

Der zuckersüße & absurd-komische Filmkosmos des Wes Anderson ist einzigartig. Dies beweißt der Regisseur auch in seinem Werk THE GRAND BUDAPEST HOTEL. Angesiedelt in einem Fantasieland irgendwo zwischen Mittel- und Osteuropa um 1932, führt Anderson die abenteuerliche Geschichte eines höchst distinguierten Concierges und seines treuen Lobby Boys auf, die in einem anachronistisch pompösen Hotel-Palast ihren Dienst tun. Der plötzliche Tod einer langjährigen stinkreichen Besucherin und der drohende Ausbruch des Krieges, stürzen die beiden in ein chaotisches Abenteuer. Ein erfrischend wirres und unterhaltsames Spektakel, das jedoch letztendlich deutlich unter dem überbordenden Ideenreichtum seines Schöpfers leidet, der einfach kein Ende finden will. Ein resoluterer Schnitt hätte Wes Andersons jüngstes Werk zu echter Perfektion gebracht.

Einmal mehr eine klammheimliche Liebeserklärung an die Videokasette, legen die Gebrüder Zellner im diesjährigen Forum vor: KUMIKO, THE TREASURE HUNTER erzählt von der 29-jährigen Kumiko aus Tokio. Sie führt ein zurückgezogenes Leben in einer schäbigen kleinen Wohnung, lediglich begleitet vom Zwergkaninchen Bonzo. Vor ihrem tristen Büro-Job und dem unangenehm aufdringlichen Chef flüchtet sie sich in das penible Studium einer Szene aus dem Kinofilm FARGO (Gebrüder Coen, USA 1996). Darin vergräbt eine Figur einen Koffer voll Geld im Schnee. Kamiko sieht sich den Film auf einer abgenutzten Videokasette an, die sie bei einer rätselhaften Schatzsuche gefunden hat. Die junge Frau spult das Tape endlos vor und zurück, was ihr der Videorekorder irgendwann heimzahlt. Kumikos Chef wird ihr zu aufdringlich, von ihrer Mutter ist sie ob der ständigen Fragerei nach Heiratsanwärtern und möglichen Enkeln entnervt. Sie fliegt in die USA, Fargo in Minnessota ist Kumikos Ziel. Eine neue Schatzsuche beginnt. Den Gebrüdern Zellner gelingt ein grandioses widersinniges Märchen, dessen Hauptfigur sie in ruhigen Einstellungen liebevoll zu einer aberwitzigen Heldin stilisieren. Sie schaffen es nicht, sich dem ansteckenden verqueren Habitus von FARGO zu entziehen, wie auch? Sie wandeln nunmal deutlich auf den Spuren der Gebrüder Coen. Aber sie setzen klar eigene Akzente und etablieren ihre Kumiko als würdige Nachfolgerin von Marge Gunderson.

Ein Mann ertrinkt, in einem dramatisch aufgeladenen Bild sinkt er auf den Meeresgrund. Warum Thi, der Ehemann von Sao unter diesen Umständen stirbt, bleibt rätselhaft. Die Polizei weigert sich zu ermitteln, Sao muss selbst herausfinden was geschehen ist. Dabei stößt sie auf dubiose Machenschaften und eine längst vergessene Liebe. Vietnam im Jahr 2030, der klimabedingt gestiegene Meeresspiegel hat große Teile des Landes verschlungen, die ärmeren Mänschen leben auf Booten und Pfahlbauten entlang der Küste. Die Fischgründe sind leergefegt, Großkonzerne, kaufen überfluteten Grundbesitz ab, um darauf schwimmende Farmen zu verankern. NUOC-2030 entwirft zu Beginn die Dystophie eines versunkenen Landes, dessen Bewohner zusehen müssen wie sie mit der neuen Situation zurecht kommen. Regisseur Nguyen-Vo Nghiem-Minh versucht mit seinem Werk großes Erzählkino im Spannungsfeld verschiedenster Genre, scheitert daran jedoch kläglich. Die Genremuster bleiben blutleer und behauptet. Die zäh entwickelte Geschichte zieht sich langatmig dahin und entnervt den Zuschauer zunehmend durch redundant eingesetzte Sprünge in der Zeit. Als spannende Distophie gestartet, verendet NUOC letztendlich auf dem Niveau einer besseren Telenovela. (NUOC-2030 | Panorama) 

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